Der große Blonde mit dem schwarzen Schuh

Oder so.

Mein Süßer und ich waren gestern Abend in der FABRiK in Hamburg-Altona, um uns Achim Reichel samt Band anzuschauen und vor allen zu -hören. Vor ungefähr einem Jahr haben wir die Truppe schon mal gesehen, und zwar im Stadtpark. Gemocht habe ich seine Musik ja schon immer, seit mir im zarten Alter von 13 Jahren (also quasi vor einem halben Leben, wenn man es mathematisch nimmt) mein Vater mal eine Kassette bespielte, welche er mit „Deutscher Rock“ beschriftete. Zwischen Klassikern wie „Kinder an die Macht“ oder „Die weißen Tauben sind müde“ fand sich unter Anderem darauf auch „Der Spieler“ von einem jungen Mann namens Achim Reichel. Sozusagen die Einstiegsdroge. Ein paar Jahre später lief mir dann die Regenballade über den Weg, und letztes Jahr habe ich es dann auch endlich mal geschafft, den Guten live zu sehen. Der setzt sich ja seit einigen Jahren mit der (nord)deutschen Dichtung sowie mit Volksliedern auseinander, und das auf eine ganz fantastische Art und Weise.

Die FABRiK ist ein kleiner und kuscheliger Club, der ansonsten auch als Kulturzentrum dient, wenn nicht gerade drin gerockt wird. Mit Tischen und Stühlen passen da so um die 800 Leute rein. Mir gefallen solche kleinen Locations ja immer am Besten, weil man als Publikum einfach viel mehr mitbekommt und näher dran ist, der Funke also nicht so weit fliegen muss, ehe er überspringt. Der Sound war glasklar, selbst bei doch sehr heftig und dramatisch instrumentierten Passagen in einigen Liedern. Und Leute, diese Band ist einfach der Hammer. Die beherrschen ihre Instrumente im Schlaf und sind einfach wunderbar aufeinander eingespielt, so dass es einfach Spaß machte, ihnen bei der Arbeit zuzuschauen. Auch hatte ich das Gefühl, dass sie allesamt richtig Lust darauf hatten, die FABRiK ordentlich zu rocken – in Fachkreisen wird sowas  wohl „Spielfreude“ genannt.

Zu den Songs selbst möchte ich nicht zu viel schreiben, denn das würde den Rahmen eines Blogeintrages bei weitem sprengen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie „zahm“ doch die Studioaufnahmen klingen im Vergleich mit einem Liveauftritt. So einige Songs, die mich beim Anhören des neuen Albums so überhaupt nicht berührt haben, strahlen dann auf einmal völlig neue Energien aus. Viele meiner Favoriten habe ich an diesem Abend in einer Fassung gehört, die mir wirklich nicht nur unter die Haut, sondern durch Mark und Bein ging (wie zum Beispiel die Regenballade, Trutz Blanke Hans oder auch Exxon Valdez). Und insgesamt knapp 3 Stunden Programm muss man auch erstmal bringen. Wenn ich mal Mitte 60 bin, möchte ich auch noch so rumhüpfen und rocken können wie diese Jungs. Mit den Rumhüpfen war es an dem Abend allerdings nicht so weit her, einerseits wegen betrunkener Idioten neben mir (die wahrscheinlich nur wegen „Alohahejaheee“ da waren und Joseph von Eichendorff allen Ernstes nicht von Theodor Fontane unterscheiden konnten – und das in Hamburg…), andererseits, weil wir auf der Galerie standen und man sich dort einfach nicht so bewegt, wie man es sonst auf einem Stehplatz vielleicht täte. Aber sei’s drum, dafür war ich näher dran an der Band als sonst jemals auf einem Konzert und ein bisschen getanzt habe ich ja auch, und innerlich tue ich es immer noch.

Für dieses Jahr war das wahrscheinlich mein letzter Abend in Hamburg, und auch als solchen fand ich ihn einfach nur schön. Und wenn ich hier in Colchester in der Abenddämmerung an den Colne gehe, ist es fast so, als könnte ich das Hämmern und Treiben in den Docks an der Elbe hören. In Hamburg liegt eben doch ein größerer Teil meines Herzens, als ich gedacht habe…

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